Biotop III: Bültenmoor

Text: Armin Püttger-Conradt

Es ist eine typische Landschaft des Liether Moores namens Bültenmoor, der Blick entlang eines Birkengehölzes, das sich parallel zu einer Wiese dahinzieht. Dicht an dicht stehen die weißrindigen Bäume, kämpfen gegenseitig um ihren Standort und dem Weg ans Licht, wo sich droben die Wipfel zu einer geschlossenen Kronenschicht schließen. Unten am Boden wachsen Moose, Farne und Waldgeißblatt, strauchige Faulbäume und Weißwurz, während im Herbst zahlreiche Pilze der unterschiedlichsten Arten ihre Hüte aus dem Boden strecken.

Doch ganz am Ende, hinter der Moorwiese, befindet sich versteckt ein kleines Teichgewässer von 300 Quadratmetern Fläche, 2010 geschaffen, und entwickelt sich seitdem zu einem kleinen Paradies für Tiere und Pflanzen. Wieder wurde der Erdaushub von 210 Kubikmetern zur Anlegung eines Walles verwendet, welcher eine der natürlichen Dünen gleichkommt, die sich überall im Moor in meist abgeflachter Form befinden. Möglicherweise wird sich auf der Wasseroberfläche einmal Torfmoos bilden, noch ist es jedoch ein Aufenthaltsort rund ums Jahr für Moor- und Teichfrösche, Molche und Ringelnattern sowie zahlreichen im Wasser lebenden Insekten, vom Kolbenwasserkäfer bis hin zu den munteren Wasserläufern, die mit gespreizten Beinen dank der Oberflächenspannung geschäftig über den Teich laufen.

Täglich sucht das Rehwild in den ungestörten ruhigen Morgen- und Abendstunden das Kleingewässer auf, ihre Fährten hinterlassend auf dem Dünensand, wo sich mit Samen angesäte Besenheiden zu hübschen flächigen Horsten heranentwickeln und zur Blütezeit einen violetten Zauber dem Auge bieten. Dann kommen von überall her Schmetterlinge verschiedener Arten, um vom Blütennektar zu ernten, Bienen und Wespen sind beständig beim umhersummen, während große Hornissen sich im Flug den Bruchteil eines Tropfens von der Wasseroberfläche holen. Eine für Moore ganz eigene Strauchart ist der Gagel. Mit seinen rötlich anmutenden Stielen bildet er dichte Buschgruppen, die sich auf feuchten Standorten bis ins Flachwasser hinein entwickeln. Gerade im Herbst, wenn die klare Sonne des Abends während des Versinkens durch den Gagel in goldrotem Licht scheint, erleuchten sie wunderschön und färben das Moor mit einem mystischen Schein.

Gagel ist im Liether Moor nahezu ausgestorben gewesen, doch hier hat man wieder neue Pflanzen gesetzt, männliche und weibliche, damit sie sich weiter vermehren und der Landschaft den ehemaligen Reiz wiedergeben. Wenn dann am Uferrand die Sumpfdotterblumen ihren gelben Schein dazugeben, entsteht eine Farbenpracht der Natur, die das Auge erfreut und die Gedanken spielen lässt.

Auch dieses kleine Biotop sorgt dafür, dass dem Liether Moor eine ursprüngliche Abwechslung widerfährt, zum Wohl des Erhalts und der Wiederherstellung der biologischen Vielfalt. Denn wo sollen die zahlreichen Libellenarten ihre Eier ablegen, wenn es an entsprechenden Gewässern fehlt. Wer gesehen hat, wie des Nachts, wenn keine Vögel mehr fliegen um sie von einem Schilfhalm abzupicken, ihre Larven aus dem Wasser steigen und sich an oberster Stelle festkrallen, die Köpfe aufplatzen und ein wunderschönes Insekt hervorkriecht, dessen zerknitterte Flügel sich im ersten morgendlichen Sonnenschein vollpumpen, um in die Welt zu fliegen, wird berührt sein von den Geheimnissen, welche die Natur auch für uns bereithält.

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Naturkundliches Gutachten

Landschaftsanalyse und Darstellung über das Betreuungsgebiet des Liether Moor-Vereins

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Links

Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut in Tornesch von 1985 e.V.
www.lietherkalkgrube.de

Verein Schutz des Tävsmoores e.V. www.taevsmoor.de

Verein für extensive Robust­rinder­haltung im Liether Moor e.V. www.robustrinder-lieth.de