Infobrief 02 / 2020

Unser schönes Liether Moor ist in Gefahr!

Wie vielleicht bereits bekannt ist, hat die Metropol-Region Hamburg die Idee, rund um Hamburg die Auto­bahnen zu entlasten. Dieses soll durch den Bau von Rad­schnell­wegen erfolgen. Eine Achse soll von Elmshorn nach Hamburg führen, um die A 23 zu entlasten.

Radschnellweg bedeutet:

Hier sollen auf den vorgesehenen Strecken komfortable vier Meter breite Radwege entstehen, die getrennt von Straßen und Fußgängerwegen verlaufen. Ihr möglichst geradliniger Verlauf mit so wenigen Ampeln und Kreuzungen wie möglich soll gewährleisten, daß Radfahrer eben "schnell" vorankommen.

Zusätzlich für den Raumbedarf der Radfahrer sind nochmals 2,5 m für die Fußgänger plus 1,5 m Randstreifen vorgesehen.

Außerdem soll das Ganze auch noch beleuchtet werden.

Wie jetzt auf der Sitzung des Wegeausschußes in Klein Nordende vom 06.02.2020 bekannt wurde, soll von den an anderen Orten vorgesehenen Varianten, wie Elmshorn oder Pinneberg, in Klein Nordende die sogenannte Variante B favorisiert werden, die eben nicht in der Nähe der Bahn, sondern in weitem Bogen durch das Liether Moor führt.

Das bedeutet, daß unser Moor von einer Trasse, mit einer Breite von ca. 4 + 2,5 + 1,5 m = 8 m durchschnitten wird! Die Wege im Moor sind aktuell aber nur ca. 2,90 m!

Das heißt, es müßten hunderte Meter Knicks beseitigt werden, sowie Wiesen und Feldränder zusätzlich asphaltiert werden. Das Ganze soll dann auch noch beleuchtet werden - eine Beleuchtung gibt es z.Zt. auf weiten Strecken im Moor nicht. D. h., es würde hier im großen Umfang die Natur vernichtet werden, nachtaktive Tiere ( 60 % sind nachtaktiv !) würden vertrieben.

Die Folgen für die Tiere und Pflanzen durch solch eine Schneise wären katastrophal - eine lange versuchte Ansiedlung des Storches und anderer Tiere wäre konterkariert. Desweiteren ist völlig ungeklärt, wie die im Moor durchaus vorhandenen Anwohner, Landwirte, Jäger, Müllfahrer und andere dann zu ihren Grundstücken kommen sollen.

Die dürften dann dort nicht mehr fahren!

Dabei gibt es eine Alternative, denn ein Ideen-Workshop am 10. September 2019 in Pinneberg unter Beteiligung vom Kreispräsidenten Ahrens, Herrn Teichmann (Kreishaus) und dem Ing. Büro Argus hatte ein ganz anderes Ergebnis.

Hier wurde von über 80 Beteiligten, u.a. dem Vorstand des BVLM, eine neue Vorzugsvariante erarbeitet. Sie ist ein Mix aus Variante B rot und C grün und einigen neuen Ideen und führt eben nicht durch das Liether Moor.

Folgende Punkte wurden für die Trassenführung als wichtig erachtet:

  • Siedlungsnähe (Klein Nordende und Heidgraben)
  • viele Anknüpfungen an den ÖPNV
  • möglichst keine Einschnitte in die Natur
  • keine Konflikte mit der Landwirtschaft

Leider konnte der Vorsitzende des Wegeausschußes Klein Nordende und eingesetzter Koordinator Jens Jacobsen nicht beantworten, warum die im Workshop von fast allen Bürgern erarbeitete Variante B/C nun nicht favorisiert wurde. Außerdem ist in der Vorstellung der Naturschutz, der wiederum von allen Bürgern als wichtigstes Argument gegen die Moortrasse erachtet wurde, einfach verschwunden.

Die sogenannte Potential-Analyse hat hier einen Bedarf von mind. 2000 zügigen Radfahrern (40 km/h sind mit dem e-Bike möglich) pro Tag ermittelt! Es ist für uns jedoch einfach nicht begreifbar, warum ein Landschafts- und Wasserschutzgebiet mit hohem Erholungswert für die Bevölkerung und Lebensraum für die Tierwelt künftig als Transit-Strecke für Elmshorner und ggf. Itzehoer Radfahrer auf dem Weg zur Arbeit zweckentfremdet werden soll.

Der Vorstand wird weiterhin alle Hebel in Bewegung setzen, um unser schönes Moor vor dieser Verkehrssituation zu schützen und würde sich über Unterstützung von der Gemeinde freuen. Selbstverständlich würden auch Vorschläge der Mitglieder, wie z. B.: Demonstrationen auf der Dorfstraße oder eine Menschenkette auf der geplanten Trasse gerne geprüft.